Geschichte

Nachdem es in Wilhelmsburg bereits seit 1864 eine „Pflichtfeuerwehr“ gab, entstanden durch die einsetzende Industrialisierung und dem damit verbundenen Bevölkerungszuwachs 1888 – der Feuerlösch- und Rettungsverein und am 27. Januar 1889 – die Freiwillige Feuerwehr Reiherstieg sowie 1890 die Fabrik- Feuerwehr Wollkämmerei. Durch die zunehmende Besiedlung des Wilhelmsburger Ostens, (z. B. Bau des Bahnhofsviertels), reichte der bisherige Brandschutz aufgrund der langen Anfahrtswege vom Reiherstiegviertel nicht mehr aus. Es wurde nun auch für erforderlich gehalten im Wilhelmsburger Osten neben dem Feuerlösch- und Rettungsverein von 1888 und den zwei Zügen der Freiwilligen Feuerwehr Reiherstieg von 1889 auch hier eine Freiwillige Feuerwehr aufzustellen. In der Gemeindezeitung wurde eine Anzeige geschaltet worauf sich sofort etwa 40 gleichgesinnte Männer fanden, die sich die Rettung des vom Feuer bedrohten Lebens und Eigentums ihrer Mitmenschen zur Aufgabe stellten. Gegenseitige Hilfe in Not und Gefahr, besonders bei Brandfällen, wurde damals noch als eine heilige Bürgerpflicht angesehen. Der 1908 neugegründete III. Zug der Freiwilligen Feuerwehr Reiherstieg wurde nun von der Gemeinde mit einer Handdruckspritze und einer 18 m  langen, fahrbaren mechanischen Schiebeleiter, die im Bahnhofsviertel in der Thielenstraße untergestellt wurde, ausgestattet. Die persönliche Ausrüstung wurde teils geliefert, teils wurde sie selbst beschafft.

 

 

Das erste   „Spritzenhaus“ an der Schönenfelder Straße 97a war eine schlichte Garage mit einem Satteldach und ohne das Feuerwehrsymbol im Giebel nicht als solches erkennbar. Neben der Handdruckspritze befanden sich hier noch einige „Feuereimer“, tragbare Leitern und Feuerhaken (Einreißhaken). Der Innenraum war klein und niedrig, gerade so, dass die Spritze hineinpasste. Bei einem Einsatz musste bis zum Eintreffen des Pferdegespannes die Deichsel eingesetzt werden. So überlebten die Wehren das Kaiserreich und die Weimarer Republik. 1927 wird Wilhelmsburg mit Harburg zur Großstadt „Harburg-Wilhelmsburg“ zusammengeschlossen. Die FF Reiherstieg wird in „FF-Harburg-Wilhelmsburg“ umbenannt. Im Jahr 1937 verliert Harburg- Wilhelmsburg dann die Selbständigkeit und wird als Stadtteil von Hamburg eingemeindet.

Eine schwere Zeit begann mit der Übernahme des dritten Reiches, als alle Feuerwehren sich dem diktatorischen System unterwerfen mussten. Die Bedeutung der Kirchdorfer Wehr in der Kriegszeit wurde dadurch untermauert das noch im Kriegsjahr 43 das erste Löschfahrzeug, ein LF 8 in olivgrün ausgeliefert wurde. Die Kirchdorfer Wehr wurde nicht nur im Wilhelmsburger Raum, sondern aufgrund der schweren Angriffe auch überregional eingesetzt. Teilweise wurden einzelne Kameraden den Feuerschutzbereitschaften oder den Berufsfeuerwehren Harburg und Wilhelmsburg zugeteilt.

 

 

Im Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg. Viele umliegende Wehren wie die FF Neuhof wurden aufgelöst. Von der FF Harburg- Wilhelmsburg blieb nur der Kirchdorfer Teil übrig und wurde in “FF Kirchdorf“ umbenannt. Die Besatzungsmacht begann damit die Feuerwehren wieder neu, nach demokratischem Vorbild, zu organisieren. Es war ein schwerer und langer Weg, der hier zu überwinden war.

In den fünfziger Jahren wurden die ersten Neubauten von Feuerwehrhäusern in Auftrag gegeben. Sie wurden für Gruppenwehren ausgerichtet. Platz gab es hier nur für ein Fahrzeug und einen bescheidenen Unterrichtsraum. Für die Kirchdorfer Wehr wurde ein solcher Neubau im Jahr 1953 „Bei der Windmühle“ begonnen. Nachdem man etliches in Eigenarbeit erledigt hatte konnte die Wehr ihr 50 jähriges Jubiläum im Gerätehaus „Bei der Windmühle 61“ feiern. Die schwerste Bewährungsprobe stand der Wehr 1962 bevor. In der Nacht vom 16. zum 17. Februar 1962 ereignete sich eine der schlimmsten Katastrophen der Hamburger Geschichte. 15.100 Hektar Land (auch Wohngebiete für fast 120.000 Menschen) wurden bis zu 4 Meter hoch überflutet. 315 Menschen kamen ums Leben, darunter auch 5 Helfer! Wenige Minuten nach Mitternacht wurden durch eine Sturmflut mit einem Pegel von 5,70 Metern  die ersten Deiche überspült. Später kam es an 61 Stellen zu Deichbrüchen im Gebiet zwischen Norderelbe und Süderelbe. Besonders betroffen waren die Wohngebiete in Wilhelmsburg. Nahezu Kommunikationslos (Funk gab es in beiden Wehren noch nicht) war die Freiwillige Feuerwehr Kirchdorf auf der Elbinsel tagelang auf sich allein gestellt.

 

 

Der kalte Krieg der 70er Jahre verlangte nach einem starken Luftschutz. Ein Luftschutzhilfsdienst sollte zügig aufgebaut werden. Die Freiwilligen sollten hier eine Führungsrolle übernehmen und das bedeutete mehr Fahrzeuge, mehr Mannschaften, größere Fahrzeughallen und mehr Ausbildungsplätze. Die Wehren durften nun 30 Mitglieder anstelle vormals 20 haben, und zusätzlich eine Reserveabteilung mit nochmals 15 Mann. Fahrzeuge, die vom Bund in Auftrag gegeben wurden, konnten in den nächsten Jahren ausgeliefert werden. Es handelte sich um Löschfahrzeuge, Bergungsfahrzeuge und Funkfahrzeuge. Da das vorhandene Gerätehaus nun zu klein war konnten nicht alle Fahrzeuge im Feuerwehrhaus abgestellt werden. 1972 wurde in völliger Eigenleistung das Feuerwehrhaus um einen 40 m²- Anbau erweitert. Einen deutlichen Sprung der Einsatzzahlen gab es ab 1975 als das Hochhausviertel „Kirchdorf-Süd“ bezogen wird.

 

 

Heute ist die Freiwillige Feuerwehr Kirchdorf die älteste von drei Freiwilligen Feuerwehren auf der Elbinsel Wilhelmsburg. Das Einsatzgebiet ist vielfältiger wie es nicht sein kann: Einzelhausbebauung mit Dorfcharakter, Hochhaussiedlungen, Gewerbegebiete, Autobahnen und Wasserstraßen. Die Einsätze werden in Zusammenarbeit mit den Berufsfeuerwehren Wilhelmsburg (F34), Veddel (F33) und/oder Harburg (F31) gefahren. Die  Aufgabenschwerpunkte der Wehr liegen im Brandschutz, der technischen Hilfeleistung sowie in der Wasserrettung. Der Fahrzeugbestand wurde letztmalig 1995 und 2005 erneuert. Die Wehr verfügt nun über zwei moderne Löschfahrzeuge und ein Kleinboot. Jährlich wird die FF Kirchdorf bis zu 175 mal alarmiert und ist somit eine der am meisten alarmierten Wehren in Hamburgs Süden.

 

 

Die Freiwillige Feuerwehr Kirchdorf beteiligt sich auch an sozialen und kulturellen Aufgaben in ihrem Stadtteil. Neben unserem jährlichem Feuerwehrfest „Tag der offenen Tür“ im Mai spendieren wir den Kindern der Elbinsel einen Laternenumzug im Oktober.